Grundvoraussetzungen für schulisches Lernen

Für schulisches Lernen ist eine Reihe von Grundvoraussetzungen notwendig.

Es sind dies …

  • eine gut entwickelte Grob- und Feinmotorik
  • ein gut ausgebildeter Tastsinn
  • visuelle und auditive Wahrnehmung (= sehen und hören)
  • Sprechen
  • sowie mathematische Früherfahrungen

Um Sie und Ihr Kind noch besser auf den Schulalltag vorzubereiten, haben wir im Schuljahr 2014/15 einen Info-Abend für alle Schulanfängereltern ins Leben gerufen.

An diesem Abend geben wir Lehrerinnen Einblick in die einzelnen Teilbereiche:

Allgemeines:

„… und jedem Anfang wohnt ein  Zauber inne…“   (Hermann Hesse)

Jeder Übergang braucht besondere Aufmerksamkeit und Achtsamkeit !

Was verändert sich beim Übergang KIGA/Schule für die einzelnen Beteiligten?

Entwicklungsaufgaben:

  • Auf der individuellen Ebene
  • Auf der interaktiven Ebene
  • Auf der kontextuellen Ebene – Der differnzierte Entwicklungsstand nach Barbara Senckel:

Fragen der Eltern?

  • Wo steht mein Kind?
  • Welche Kompetenzen hat es bereits erworben?
  • Was ist der nächste logische Schritt?
  • Wie ist das nächste Ziel definiert?
  • Ich – und Beziehungsentwicklung (bestimmt die weitere Entwicklung)

Die Reife des „Ichs“ bestimmt, wie die Qualitäten der anderen Funktionsbereiche zum Tragen kommen!

  • Denkentwicklung
  • Wahrnehmung/ Handlungsplanung
  • Spielentwicklung

Es können nicht genug Anreize zum Spielen gegeben werden.“

  • Sprachentwicklung
  • Norm- und Wertebewusstsein
  • Lebenspraktische Fähigkeiten
  • Grob- und Feinmotorik

Grobmotorik:

Mit Grobmotorik, einem Bereich der Motorik, werden alle Bewegungsfertigkeiten bezeichnet, die ein Mensch mit seinen Gliedmaßen, seinem Rumpf und seinem Kopf erlernen kann. Dabei werden größere Muskelgruppen beansprucht. Fertigkeiten der Grobmotorik sind zum Beispiel:

  • Krabbeln, Laufen, Gehen, Hüpfen
  • Klettern
  • Stehen
  • Balancieren
  • Fahrrad fahren
  • Schwimmen

Warum ist Grobmotorik so wichtig ?

Grobmotorik ist ein wichtiger Bestandteil der kindlichen Entwicklung, denn die weiterführende feinmotorische Entwicklung baut auf einer gut entwickelten Grobmotorik auf. Nur ein Kind, das genügend Bewegungserfahrungen im Bereich der Grobmotorik gesammelt hat, ist in der Lage, auch feinmotorische Fähigkeiten zu erlernen.

Fördermöglichkeiten

  • Hampelmannsprung

Beim  Hampelmannsprung  lernt das Kind, das Körpergewicht auszugleichen und Arme und Beine koordiniert zu bewegen. Der Erwerb dieser Koordination ist eine wichtige Voraussetzung für diverse motorische Anforderungen.

  • Zielwerfen mit Dosen:  Dosen aus einiger Entfernung mit Bällen umwerfen lassen. Das trainiert die Koordination und die Kraftdosierung.
  • Fangen: Das Fangenspielen trainiert Kraft und Ausdauer.
  • Luftballon:Das  Werfen und Fangen kann gut geübt werden, ein Ballon fliegt  viel langsamer als ein normaler Ball, tut auch nicht weh beim Fangen. Mit einer Fliegenklatsche kann  Ballon-Tennis gespielt werden.
  • Spielplatz/freie Natur: Hier kann am besten klettern, schaukeln, balancieren und laufen geübt werden, auch Kontakte mit Gleichaltrigen werden hier geknüpft.
  • Pfützenspringen:  Wer schafft es, über die Pfützen zu springen, ohne nasse Füße zu bekommen?
  • Schwimmen

Baden und Schwimmen gehen macht der ganzen Familie Spaß. Beim Schwimmen wird vor allem die Körperkoordination gefördert. Das Kind lernt mit Beinen und Armen unterschiedliche Bewegungen auszuführen und dabei effektiv im Wasser vorwärts zu kommen. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei die Kopfkontrolle und die Stärkung der Nackenmuskulatur.

  • Rad/ Roller/ Dreirad/ Skateboard fahren

Sich mit kleinen Fahrzeugen fort zu bewegen steckt in der Natur des Menschen. Es fördert  ungemein die Koordination, das Gleichgewicht -halten und die Reaktionsgeschwindigkeit. Das Kind übt das Bewegen der einzelnen Körperteile unabhängig voneinander und muss dabei im Gleichgewicht  bleiben.

Spielzeug zur Schulung d. Grobmotorik:

  • Pedalos
  • Moonhoppers  
  • Springschnüre

Feinmotorik

Feinmotorik ist ein Bereich der Motorik und bezeichnet alle Bewegungsfertigkeiten, die ein Mensch mit seinen Fingern, seinen Zehen und seinem Gesicht erlernen kann. Es handelt sich dabei um sehr kleine Bewegungen, bei denen Kraftdosierung eine große Rolle spielt.

Fertigkeiten der Feinmotorik sind zum Beispiel:

  • Malen, Ausmalen, Zeichnen, Schreiben
  • Schleife binden
  • Reißverschlüsse, Schraubverschlüsse öffnen bzw. schließen
  • Kleidung zuknöpfen
  • Ausschneiden, Reißen
  • Steuerung der Sprechmuskulatur
  • Umgang mit Essbesteck

Warum ist Feinmotorik so wichtig ?

Eine altersgemäße Entwicklung im Bereich der Feinmotorik ist von großer Bedeutung. Spätestens in der  Schule  werden feinmotorische Tätigkeiten verlangt. Wenn ein Kind die  Feinmotorik nur unzureichend trainiert hat, sind Probleme beim Schreiben sehr wahrscheinlich. Aber auch in anderen Bereichen ist eine gut ausgebildete Feinmotorik wichtig, z. B. beim Sprechen lernen (Mundmotorik)oder  beim selbstständigen Anziehen.

 Fördermöglichkeiten

Zur Unterstützung der Entwicklung im Bereich Feinmotorik  ist es wichtig, dem Kind genügend Raum und Gelegenheit zur Bewegung zu geben. Es soll Dinge ausprobieren und Gegenstände erforschen können und mit allen Sinnen wahrnehmen.

  • Malen/ Ausmalen/ Nachmalen/ Raten und Malen

Freies Malen und Ausmalen fördern sowohl die Feinmotorik als auch die Graphomotorik (=koordinierter Umgang mit dem Stift). Ermutigen Sie Ihr Kind beim Ausmalen genau zu zeichnen und die vorgegebenen Linien einzuhalten. (Dem Alter entsprechende Schwierigkeitsgrade beachten und niemals den Spaß an der Arbeit verderben!) In kleine Spiele eingebunden lassen sich Kinder oft leichter motivieren. (Einkaufszettel malen, Post spielen…) Abwechselnd etwas malen und dann raten, was es ist.

  • Kleben/ Schneiden/Reißen

Alte Kataloge und Zeitschriften zerschneiden lassen- Wunschzettel kleben lassen. Beim Kleben und Schneiden kommt es vor allem auf Kraftdosierung und Auge-Hand-Koordination an. Das genaue Erkennen der Linie beim Schneiden und die Führung der Hand dabei ist eine wichtige Voraussetzung für die Graphomotorik. (Schreibmotorik)

  • Fingerspiele

Mit diversen Fingerspielen sammelt das Kind wertvolle Informationen über die Fingerkoordination. Mit lustigen Sprüchen oder Reimen macht es noch viel mehr Spaß(lange Autofahrten, Wartezeiten können überbrückt werden, Ritual zum Einschlafen).

  • Eierlauf/Kartoffellauf: Ein Ei wird auf einem Löffel balanciert, entweder alleine über verschiedene Hindernisse oder zu mehreren um die Wette. Auge-Hand-Koordination wird trainiert.
  • Kneten: Um die Fingermuskulatur und die Beweglichkeit der Finger zu trainieren, eignet sich Plastillin sehr gut. (Kekse backen)
  • Rasierschaum/Maizena/Fingerfarben: Mit Rasierschaum können Schwungübungen durchgeführt werden, Maizena mit Wasser angerührt „leistet mehr Widerstand“, die gezogenen Linien bleiben für einige Zeit, verfließen dann aber wieder.
  • Wattebällchen oder Erdnuss pusten: Auf dem Tisch wird aus Geschirr ein Hindernisparcours aufgebaut und ein Wattebällchen oder eine Erdnuss wird mithilfe eines Trinkhalms, und ohne die Hände zu benutzen, auf die andere Seite des Tischs gepustet.
  • Perlen auffädeln und basteln: Der Umgang mit Schere und Kleber und das Aufziehen von Perlen machen nicht nur Spaß, sondern fördern nebenbei auch noch die Feinmotorik.
  • Greifen mit den Zehen:  Das schult die Beweglichkeit der Füße und die Muskulatur in den Zehen. z. B. Zeitungsbälle in einen Kübel geben, Stifte aufheben, ev. damit malen
  • Bauklötze: Die Klassiker in jedem Spielzimmer fördern ebenfalls die Auge-Hand-Koordination und die Kraftdosierung. Wer baut den höchsten Turm?

Spielzeug für die Schulung der Feinmotorik:

  • Fädelschmetterlinge
  • Fingertipp
  • Bügelperlenbilder: Kleine Perlen zu greifen erfordert Fingerspitzengefühl und Ausdauer.

Steckspiele

Steckspiele fördern die Kraftdosierung und Handkoordination des Kindes. Außerdem wird die räumliche Orientierung geschult, wenn man die meist vorgegebenen Bilder nachbaut. Das Ergebnis kann auch mal fotografiert oder abgemalt werden. Eine zusätzliche Motivation ist das Ausdenken eigener Muster.

Bereich visuelle und auditive Wahrnehmung/Sprechen

Unter visueller Wahrnehmung versteht man die Fähigkeit, visuelle Reize zu erkennen, zu unterscheiden und sie durch Assoziation mit früheren Erfahrungen zu interpretieren. Das heißt, was unsere Augen sehen, wird im Gehirn mit bereits gemachten Erfahrungen verglichen und gedeutet. Um ein inneres Bild von etwas zu bekommen, muss man es zuerst mit den Händen angreifen. Wenn Auge und Hand zusammenarbeiten, lernen Kinder Zusammenhänge zu verstehen.

Daher ist die Auge-Hand-Koordination die Grundlage der visuellen Wahrnehmung. Am leichtesten geht die Übung der Auge-Hand-Koordination im Alltag, z. B. wenn kleine Kinder Töpfe aus- und einräumen. Sie lernen dabei automatisch Größenunterschied und Formen. Viele Tätigkeiten im Haushalt eignen sich zum Üben: schneiden, kehren, Wäsche zusammenlegen, Geschirr abtrocknen und spülen – auch beim Basteln wird trainiert. Ball spielen, jonglieren, bauen und malen macht Spaß und ist die ideale Vorbereitung fürs Rechnen und Schreiben.

Störungen in der Visumotorik ziehen auch Störungen beim Schreiben und Zeichnen nach sich (richtige Buchstabenform, Schreiben in vorgedruckten Linien,..)

Spiele zur Förderung der visuellen Wahrnehmung:

Differix (Ravensburger), HABA 4236 – Geisterjäger, Burgritter (Haba), Socken Zocken (Haba), Haba Der kleine Magier, Schuhbidu (Haba), Diego Drachenzahn (Haba),

  • Puzzle (man kann auch Bilder selbst zerschneiden)
  • Memory
  • Dominos
  • Fehlersuchbilder
  • Wimmelbilderbücher
  • Muster fortsetzen
  • Bilder ordnen (Bildgeschichte)
  • Zusammensetzen halbierter Bilder
  • etwas nach Vorlage nachlegen (Lego, Bausteine)
  • etwas der Größe nach ordnen
  • Weg in einen einfachen Labyrinth (auf dem Papier) finden
  • Punktbilder (Punkte verbinden, damit sich ein Bild ergibt)

Die auditive Wahrnehmung ist eine wichtige Voraussetzung für den Erwerb eines differenzierten Wortschatzes und für das Erlernen von Lesen und Schreiben. Mit allen unseren Sinnen empfangen wir ständig Informationen aus unserer Umgebung, nehmen diese wahr, unterscheiden wichtige von unwichtigen und leiten sie an unser Gehirn weiter, wo sie verarbeitet werden. Mit der auditiven Wahrnehmung ist nicht das Hören an sich gemeint, sondern die Erfassung des Gehörten und dessen Verarbeitung durch das Gehirn.  Bei auftretenden Problemen in diesem Bereich zeigen sich auch Mängel im Schreiben von Ziffern bzw. beim Lösen von Rechnungen. Die auditive Wahrnehmung ist die Basis für die sogenannte phonologische Bewusstheit.

Was bedeutet die phonologische Bewusstheit?

Die phonologische Bewusstheit beschreibt die Fähigkeit die Aufmerksamkeit von der Bedeutung der Sprache auf die Struktur der Sprache zu lenken. Das Kind lernt Wörter in Silben und Laute zu unterteilen. Ihm wird bewusst, dass es kleinere Einheiten als Wörter gibt. Dies ist die Voraussetzung für den erfolgreichen Lese- und Schreiberwerb. Das Kind kann z.B. die Frage welches Wort ist länger das Wort „groß“ oder das Wort „klitzeklein“ erst korrekt beantworten, wenn es die Aufmerksamkeit auf die Wortstruktur lenkt und nicht nur auf die Bedeutung.

Warum ist diese phonologische Bewusstheit so wichtig? 

Im ersten Schuljahr lernen die Kinder nach Gehör zu schreiben. Dies ist aber nur möglich, wenn es Wörter systematisch durchgliedert und ihm bewusst ist, dass Wörter in Laute unterteilt werden müssen. Es kann erst Buchstaben schreiben und lesen lernen, wenn es sich der gehörten Einzellaute bewusst ist. Defizite im Bereich der phonologischen Bewusstheit, der Sprachentwicklung, der Artikulation und der zentral-auditiven Verarbeitung können zu einer Lese-Rechtschreibstörung führen.

Wie entwickelt sich die phonologische Bewusstheit?

Das Kind lernt Sprache systematisch zu strukturieren. Es lernt zunächst Sätze in Wörter zu unterteilen (Wortbewusstheit). Dann lernt es durch das Bilden von Reimen, dass es Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Wörtern gibt. Hierdurch wird ist es ihm möglich Wörter in Silben und Laute zu unterteilen. Es hat Freude daran Wörter zu klatschen und in Silben zu unterteilen. Es lernt spielerisch Anfangslaute zu identifizieren, die Position von Lauten in Wörtern zu bestimmen und ähnliche Laute gezielt zu unterscheiden. Dies sind die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Lese- und Schreiberwerb.

Förderung durch:

  • Märchen- oder Liederkassetten – wenige oft anhören
  • Ravensburger Lernspiele: Hör genau, sprich genau; Was hörst du ? …
  • Lernspiele von Haba: Ratz-Fatz, Ratzolino, Papperlapapp …
  • Buch: Laute spüren – Reime rühren – Spiele zur phonologischen Bewusstheit von Maria Monschein
  • Richtungen von Geräuschquellen zeigen
  • mit geschlossenen Augen etwas nachklatschen, -stampfen
  • kurze Sätze nachsprechen
  • ähnlich klingende Wörter unterscheiden
  • Reimwörter finden

Bereich Sprechen:

Sprechen stellt die wichtigste Voraussetzung für die Entwicklung des Denkens dar. Es ermöglicht die Teilnahme an der Kommunikation. Es geht vor allem darum, das Kind anzuhören, die Sprechlust und das Mitteilungsbedürfnis zu wecken und zu fördern, das Verstehen von Handlungsabläufen und Situationen anzubahnen, und es zum freien und gebundenen Sprechen zu bringen.

Förderung im Bereich Sprechen:

Herkömmliche Spielsachen wie Tiere, Bauklötze, Bauernhof, Eisenbahn, Puppenhaus, Kochgeschirr, Memory, Domino, Lotto, Puzzles, Bilderbücher oder alltägliche Gegenstände und Materialien wie Wasser, Schaum, Creme, Knöpfe, Schachteln, Töpfe, Löffel, Steine und Blätter – so vieles macht Kinder neugierig und bietet einen Anreiz zum Spielen und Sprechen. Wichtig dabei ist im Grunde nicht das Spielmaterial an sich, sondern dass jemand da ist, der sich auf die Ebene des Kindes begibt, seinen Interessen folgt, zum Kind spricht und zu dem es sprechen kann. Eltern, die mitspielen und dabei mit ihrem Kind reden, sind die eigentlichen “Sprachförderer”!

Rollenspiele und gemeinsames Handeln: Kaufladen, Doktor, Schule, Kasperletheater oder Puppenspiele – “so tun als ob” – solche Spiele funktionieren nur mittels Sprache und fördern besonders das Sprachverstehen. Außerdem erweitern sie Wortschatz und Grammatik. Gleiches gilt für gemeinsames Kochen, Backen, Einkaufen, Gartenarbeit etc. Lassen Sie Ihr Kind aktiv am Familienalltag teilhaben, übertragen Sie ihm “Verantwortung” und unterstützen Sie es dabei, kleine Handlungen oder Aufträge selbständig durchzuführen (z.B. Obst wiegen, Einkauf bezahlen, Bestellung sagen, Geschirr abwaschen). Kleine Kinder empfinden solche Aufgaben nicht als lästig oder langweilig; sie beflügeln im Gegenteil ihr Selbstwertgefühl und ihr Sprachvermögen!

Bilderbücher: Schauen Sie gemeinsam Bilderbücher an und beschreiben sie zusammen die Abbildungen und Vorgänge mit einfachen Worten und kurzen Sätzen. Entwickeln Sie vielleicht ein Ratespiel daraus: “Ich sehe was, was du nicht siehst…” Lesen Sie Geschichten vor und sprechen Sie im Anschluss darüber. Stellen Sie dabei einen Bezug zu Ihrem Alltag oder zu eigenen Erlebnissen her.

Befolgen sprachlicher Anweisungen:

  1. B. „Gib mir bitte das Heft und den blauen Farbstift!“

Bereich mathematische Früherziehung

Schon kleine Kinder zeigen früh ein ausgeprägtes Interesse für Zahlen und für Formen.Wie das Lesen und Schreiben zählt auch das Rechnen zu den Lernprozessen, die bereits vor der Einschulung beginnen.

Die Vorerfahrungen, die Kinder im Kindergarten im Zusammenhang mit Mengen und Zahlen sammeln, sind für ihre weitere Entwicklung hoch bedeutsam.Die Mathematik strukturiert unsere Umwelt – und dies nicht nur durch Zahlen, sondern, ganz allgemein gesprochen, durch Strukturen.         Das mengen- und zahlenbezogene Vorwissen ist die zentrale Vorläuferfähigkeit für Mathematik. Im Hinblick darauf unterscheiden sich Kinder bereits im Vorschulalter sehr, da sie offensichtlich ganz unterschiedliche Erfahrungen mit Zahlen sammeln.

Spaß bei der Förderung von mathematischen Vorläuferfähigkeiten machen auch Alltagssituationen:

  • Wir lesen die Uhr, bezahlen mit Geld, finden Hausnummern, Würfelspiele, wir benutzen Handys oder Fernbedienungen, spielen Lotto, tagtäglich also hantieren wir mit Dingen, die nur durch mathematische Kenntnisse erklärbar und nutzbar sind, Einfache Größenvergleiche, Telefonnummern, Postleitzahlen
  • Zahlen besitzen eine emotionale oder symbolische Bedeutung, z.B. in Erzählungen, Märchen, Liedern, in Kulturen und Religionen. Beispiele: Glück, Unglück, wie viele Zwerge, 7 Schwäne, 7 Geißlein, 3 WünscheStatt aufwändiger und teurer Übungsmaterialien kommen Alltagsgegenstände zur Anwendung, die leicht zu beschaffen oder herzustellen sind. Oberstes Ziel ist aber immer, dass die Kinder den Umgang mit Mathematik als ein erfreuliches, wertvolles und vor allem auch erreichbares Ziel erleben.

Bei der Förderung mathematischer Vorläuferfertigkeiten im Kindergartenalter sollten folgende Merkmale angestrebt werden:

  • Ein altersgemäßer, lockerer, spielerischer und keine große Anstrengung verursachender Umgang mit Zahlen, Mengen und abstrakten Symbolen,
  • die Entwicklung von Sensibilität für mathematische Zusammenhänge
  • Spaß und Freude an der Beschäftigung mit mathematischen Fragen
  • Anregungen für Vorschulkinder zur Auseinandersetzung mit mathematischen Themen sollten vor allem spielerische Akzente betonen und der natürlichen Neigung von Kindern zur Erfassung ihrer Umgebung (Mengen, Umgang mit Zahlen) entgegenkommen.
  • Die Kinder sollen sich eingeladen fühlen, die Welt der Mathematik zu entdecken und sich selbstständig in ihr zu bewegen. Eltern, Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen können die Kinder hierbei individuell in vielfältigen Spiel- und Anforderungssituationen zum Suchen nach und Ausprobieren von Lösungswegen ermutigen und zu gegenseitiger Unterstützung anregen.    

Selbständigkeit und Selbsttätigkeit

Wie wir alle wissen, dass man Tennis oder Fußball nicht allein durch Zuschauen lernen kann. Man muss selbst spielen. (oder wie auch Maria Montessori sagt: „Hilf, mir, es selbst zu tun !“)

Selbsttätigkeit ist gerade für kleine Kinder unerlässlich. Ständige Hilfestellungen führen zu kurzfristigen Leistungssteigerungen.

Ein langfristiger Lernerfolg stellt sich jedoch nur dann ein, wenn unser Gehirn immer wieder Gelegenheit findet, Fehler selbst zu erkennen und sie auch selbst zu korrigieren.

Lernen in Zusammenhängen

Das Gehirn verknüpft Elemente, wenn sie wiederholt räumlich oder zeitlich in der Nähe auftreten. Die ständige Wiederholung auf ansteigenden Stufen schafft neue Zusammenhänge und fördert Selbstständigkeit und Selbsttätigkeit.

Man sollte immer deutlich zeigen, dass man den Fähigkeiten des Kindes vertraut und sollte nur helfen, wenn ein Kind ohne Hilfe nicht zurechtkommt oder Hilfe wünscht. So kann das Kind Vertrauen in seine eigenen Kräfte gewinnen und die Erfahrung machen, dass es schön ist, sich eigene Ziele zu setzen und diese zu erreichen.

Didaktische Prinzipien

Wesentliche Voraussetzungen für mathematisches Denken, wie z.B. die Entwicklung des Zahlbegriffs, werden bereits im Kleinkindalter gelegt und Studien zeigen, dass der frühzeitige Erwerb mathematischer Vorläuferfähigkeiten entscheidend für die späteren schulischen Leistungen ist. 

Zur mathematischen Zielsetzung gehören:

    • Vertrautheit mit Eigenschaften und Anwendungen der Zahlen von 1 bis 10
    • Überblick über den Zahlenraum von 1 bis 20
    • Einfache Beispiele und Vorstellungen zum Rechnen
    • Kennen lernen geometrischer Formen – Figuren sowie Körper im Raum
    • Lösen von Problemen durch Nachdenken und Kombinieren.

Behutsame Einführung in mathematische Fachbegriffe sind in folgenden Bereichen.

Das eigene Potenzial entfaltet sich am besten im positiven Erleben. Deshalb ist es so wichtig, dass Kinder früh die Welt der Zahlen und Formen mit Erfolg und guten Gefühlen verbinden.

Beispiele:

  • Die Pflanzenwelt mit ihren Formen von Blättern und Blüten, Eigenschaften und Lebensweisen von Tieren, Takt und Harmonien in der Musik, Zahlen und Formen in Kunst und Kultur
  • Den ganz normalen Lebensraum des Kindes mit Wohnungen, Häusern, Spielzeug, Straßen, Verkehr, technischen Geräten und ähnlichen Dingen

Sehr wichtig sind die Begriffe …

  • weniger – mehr, größer – kleiner, Vorgänger – Nachfolger

Aber auch …

  • Reihen fortsetzen, Sortierübungen, Mengen zuordnen, Würfelbilder

… das sollte immer wieder im Alltag eingebaut werden !

Mengen

  • Ordnen von Mengen (bis maximal 6)
  • Sortieren nach Anzahlen
  • Ordnen der Anzahlen nach steigender/fallende Reihenfolge

Erleben des Raums

  • Bewegungsaufgaben, wie Platz suchen, wieder finden,
  • nahe herangehen/weit weggehen,
  • den Raum unter Rücksichtnahme auf andere ausnützen, Abstände
  • zu anderen bzw. zu Gegenständen herstellen und einhalten

Erfahren der Raumlage

  • oben, unten, neben; links (auch am eigenen Körper), rechts, vorne, hinten, innen, außen

Erfahren der Eigenschaften von Körpern

  • Freies Auseinandersetzen und kreatives Gestalten (Bauen, Stapeln, Legen, Einfüllen, Formen, Reißen, Schneiden, Falten, Kleben, …) mit Materialien aus dem Umweltbereich des Kindes (Naturmaterial, Knetmasse, Bausteine, Würfel, Stäbe, Bälle, Perlen, Legeplättchen, strukturiertes Material, Steckspiele, Baukästen, didaktische Spiele)

 Zuordnen

  • gleiche Dinge finden, zusammengehörige Dinge finden, Paare finden, Gegensatzpaare finden,Lotto, Memory, …

Reihen

  • Bilden von Reihen, Auffassen und Fortsetzen, Üben des Erkennens und Einhaltens einfacher Regeln beim Legen, Stecken, Fädeln, Stapeln (Naturmaterial, Bausteine, Legeplättchen, Steckmaterialien, Perlen, …)

Richtungen

  • Bewegungsübungen im Raum/Hantieren mit Gegenständen, auch mit Verwendung optischer/akustischer Signale, Aktive sprachliche Anwendung der gewonnenen Begriffe

Spiegelsymmetrische Gebilde

  • mit einer Achse, Falten und Schneiden einfacher symmetrischer Figuren

Symbole

  • Oberbegriffe, Eigenschaft, Anzahl (maximal 6)

Mächtigkeitsvergleiche durch eindeutige Zuordnung

  • gleich viel, mehr, weniger, zunächst Verwendung von Dingen, die eine natürliche Zuordnung herausfordern (Ei – Eierbecher, Tasse – Untertasse, …), Sichtbarmachen der Zuordnung durch Anfügen, Anlegen, Anbinden, Legen von Schnüren, Ziehen von Strichen, … Ordnen von Mengen (bis maximal 6), Sortieren nach Anzahlen, Ordnen der Anzahlen nach steigender/fallender Reihenfolge,

Erfassen der Struktur in zusammengesetzten Figuren

  • Nachbauen und Auslegen von einfachen Vorlagen mit Teilfiguren (Bausteine, Plättchen, …), Sichern der gewonnenen Erkenntnisse in didaktischen Legespielen UND, UND, UND …

Lernmaterialien

  • Bilder von Pflanzen und Tieren
  • Nicht weniger wichtig als diese „harten“ Medien sind die „weichen“:
  • Geschichten, Lieder, Spiele, Reime, Bilder usw…

Folgende Bedeutungen von Zahlen können bereits im Vorschulalter spielerisch erfahren werden

  • z.B. 3 Bäume, Wie viele Male? Wie oft? dreimal, das Fünffache, 2. Platz, der / die wievielte? die erste, der letzte, der fünfte, doppelt so hoch, dreimal mehr, 7 Meter, Wie lang? Wie schwer? Wie teuer? , die Summe (Rechenaspekt).

Sehr wichtig ist natürlich das Zählen:

  • vor und zurück und von jeder Stelle aus – die Verbindung von Zählen und Gehen schafft eine natürliche Situation, die den Lernprozess nachhaltig stützt.
  • Wie viele sind es ? – Beispiele: 5 Äpfel, 12 Bälle, 8 Steine
  • Wie viele Ecken hat das Rechteck/der Würfel …

Zahlen begegnen uns auch in geometrischen Zusammenhängen:

Erfahren der Beschaffenheit

– Größe (groß, klein), Farbe (Grundfarben; hell, dunkel), Form (eckig, rund;  spitz, stumpf)

– Masse (schwer, leicht), Oberfläche (rau, glatt), Material (Werkstoff)

Kinder sammeln bereits im Vorschulalter zahreiche Erfahrungen in den Bereichen Form, Größe, Gewicht, Mengen, Relationen, Zeit, Reihenfolge, Zuordnung, Zählen, Zahlwörter, Ziffern …

  • Förderbeispiel: Malen nach Zahlen: Durch das Verbinden der Zahlen von 1 bis 20 wird die Zahlenfolge gefestigt. Zur Unterstützung können die zuvor gemeinsam in die richtige Reihenfolge gelegten Zahlenkreisscheiben genutzt werden.

Umgang mit Symbolen

Symbole zeichnen sich durch ihre Einfachheit aus und sind die Grundlage in der Sprache der Mathematik“. Sie stehen in abstrakter Weise für eine Vielzahl konkreter Dinge.

    • Förderbeispiel: Eigenes Verkehrsschild malen

Fragen, die von Eltern immer wieder gestellt werden sollten:

    • Was gibt es nur einmal? Die Sonne, den Mond, meine Mutter, mich selbst …
    • Welche Dinge treten paarweise auf ?
    • Welche Blumen besitzen drei, welche vier oder fünf Blütenblätter?
    • Wie viele Beine hat ein Vogel, eine Katze, eine Fliege, ein Käfer oder eine Spinne; ein Stuhl, ein Tisch?
    • Teppichfliesen, auf denen die Ziffern von 1 bis 20 aufgemalt sind
    • Dabei werden die Zahlen aktiv mit dem ganzen Körper erlebt und zugänglich gemacht, auch wenn das Kind die Augen schließt.
    • Bei den zahlreichen Übungen werden die Ziffern in ihrer Gestalt und Aufeinanderfolge wahrgenommen und im Gedächtnis in der richtigen Abfolge und Nachbarschaft abgespeiche
    • Förderbeispiel: Pferderennen: Die Kinder sitzen im Kreis und ahmen die Bewegungen und Laute eines Jockeys nach. Sie schlagen ch mit den Händen im Trab-Rhythmus leicht auf die Oberschenkel und legen sich nach rechts, wenn eine Rechtskurve und nach links, wenn eine Linkskurve kommt. Mit dem logischen Denken wird eine besondere Form des schlussfolgernden Denkens in der Mathematik beschrieben, nämlich nach Regeln der Logik aus einer oder mehreren Aussagen neue Aussagen zu gewinnen.
  • Förderbeispiele: Muster malen, Reihen fortsetzen

Spiele zu diesem Bereich:

    • Domino (ev. nur bis 6, größere Zahlen weglegen !),
    • Würfelspiele,
    • Tongramme,
    • Stechkarten,
    • Memory,
    • Kartenspiele,
    • Farb- und Formspiele,
    • Minilük,
    • Steckspiele
    • 4 gewinnt…

 

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